Projekt „Kräuterschnecke“ in Kooperation mit der „noris inklusion“ Nürnberg und der Klasse 6a

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele. Im Vordergrund steht die Neubepflanzung der vernachlässigten Kräuterschnecke unserer Schule. Die Klasse 6a und ich als ihre Klassenlehrerin werden unter der professionellen Anleitung von Herrn Winter (Mitarbeiter der „noris inklusion“ Nürnberg) und seinem Team die gärtnerischen Fähigkeiten der Mädchen unter Beweis stellen. Dabei werden die Schülerinnen und Menschen mit Behinderung Hand in Hand arbeiten.

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Wir starteten das Projekt am 10. November 2015 mit einem ersten Treffen in unserer Schule, um uns gegenseitig besser kennenzulernen. Herr Winter und sein Team stellte uns in einem sehr interessanten Vortrag die Arbeit der „noris inklusion“ vor und zeigten uns viele anschauliche Bilder von alltäglichen Arbeiten im Gartenbau, wie z.B. in der Produktion von Zierpflanzen, in der Parkpflege oder in der Brennholzabteilung. Wir waren sehr beeindruckt, als wir erkannten in wie vielen Bereichen Menschen mit Behinderungen Großartiges leisten können. Die Schülerinnen der 6a begrüßten die Gäste mit einem Lied und stellten die Schule und ihre Fächer mit liebevoll gestalteten Plakaten vor. Viel Vergnügen bereitete allen die Schulhausführung, bei der die Mädels auch ungezwungen von ihrem Schulalltag berichteten. Spätestens dann waren die anfängliche Unsicherheit und die Berührungsängste schnell verflogen. Nach einer gemeinsamen Brotzeit durften die Schülerinnen bei einem Kräuterquiz teilnehmen, welches Herr Winter dankenswerter Weise organisiert hatte. Sehr gewissenhaft, mit vollem Eifer und mit viel Spaß wurden die Kräuter zwischen den Fingern gerieben und beschnuppert. Besonders die Cola Pflanze begeisterte die Schülerinnen. Anschließend besprachen wir mit Herrn Winter, welche Schritte für eine erfolgreiche Neubepflanzung der Kräuterschnecke notwendig sind. Viel zu schnell verflog die Zeit und unsere Gäste mussten sich verabschieden.

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Am 18. April 2016 war es endlich soweit, der Tag war gekommen, an dem Herr Winter und sein Team uns zum zweiten Mal besuchten. Das Wetter war ideal für die anstehende Gartenarbeit, der befürchtete Regen blieb aus. Die Stimmung war sehr locker fröhlich und die Schülerinnen freuten sich auf einen Unterricht im Freien. Außerdem kannte man sich ja schon; Anzeichen von Anspannung und Berührungsängsten waren nicht zu bemerken. Die Gruppen für die Bepflanzung der Kräuterschnecke waren schnell gebildet. Um sich noch besser kennenzulernen, aßen alle gemeinsam die tollen selbst gebackenen Kuchen, die die Schülerinnen mitgebracht hatten. Motiviert und gestärkt hieß es für alle „ran ans Werk“. Unter der Anleitung und Aufsicht der „noris inklusion“-Mitarbeiter jäteten die motivierten Mädels voller Tatendrang Unkraut, füllten die Kräuterschnecke mit frischer Erde auf, gruben Löcher, setzen die Kräuter und gossen ihr Werk. Nebenbei lernten die Schülerinnen auch einiges über die Kräuterarten und ihre Pflege. Es wurden die Blätter begutachtet, an ihnen gerieben und natürlich beschnuppert. Die Mädels erhielten für ihr Engagement von allen Seiten großes Lob. Mit besonderer Vorsicht wurden aber auch die gefundenen „Engerlinge“ behandelt. Sogar Namen haben sie bekommen (worauf aber in diesem Rahmen nicht näher eingegangen werden soll). Vom Wissensdurst getrieben zogen die Mädels auch unsere Biologielehrerin Frau Benkert zur Rate, die die „Engerlinge“ als Junilarven enttarnte. Für die weitere Pflege und den Erhalt des schönen Aussehens unserer Kräuterschnecke wurden wir von Herrn Winter sehr genau instruiert. Die Schülerinnen lernten wie wichtig Unkrautjäten und ein Gießplan für unsere neuen Pflanzen sind. Nach getaner Arbeit ließen wir uns zusammen Bratwürstel und Steaks, die unser Hausmeister für uns dankenswerterweise gegrillt hatte, schmecken. In einer Abschlussrunde sammelten wir gemeinsam Eindrücke von unserem Projekt und waren uns vollkommen einig, dass der Vormittag sehr gelungen, sehr lehrreich war und dass auch der Spaß nicht zu kurz kam. Eine Woche später im Morgenkreis ließen wir den Vormittag nochmal Revue passieren. An dieser Stelle sollen ein paar Zitate der Schülerinnen eingeworfen „Es war schön, etwas für die Schule zu pflanzen, dass jeder etwas machen durfte, wir mal einen anderen Unterricht hatten, wir mit anderen Menschen arbeiten konnten, wir ein Klassenprojekt haben, wir den Umgang mit Pflanzen gelernt haben, wir miteinander gegessen haben,…“

Anfang nächsten Schuljahres werden wir der „noris inklusion“ einen Gegenbesuch abstatten und die Arbeit unserer Gäste vor Ort kennen lernen.

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Wir danken Herrn Winter und seinem Team ganz herzlich für zwei spannende und lehrreiche Vormittage und freuen uns schon sehr auf ein Wiedersehen im September 2016 in Nürnberg.

Agnes Rösch

Eindrücke von Herrn Winter und seinen Mitarbeitern über unser erstes Treffen:

Die Bildungsteilnehmer des BBB im Gartenbau gingen mit sehr gemischten Gefühlen durch die Eingangstüre der Mädchenrealschule in Abenberg. Der Altersunterschied zwischen den Mädchen der 6a und den Bildungsteilnehmern des Gartenbaubetriebs der noris inklusion sind ca. 7 Jahre. Trotzdem waren einige der BBB´ler unsicher wie das erste Treffen wohl sein wird. Keiner der Bildungsteilnehmer hat je eine weiterführende Schule besucht und vielleicht war auch bei dem einen oder anderen Angst vorhanden, als nicht so klug, oder „einfachstrukturiert“ abgestempelt zu werden.Freundlichkeit, Offenheit, Akzeptanz war ab dem ersten Moment spürbar, man wurde herzlich empfangen. Keine abwertende Blicke, kein Gelächter hinter der vorgehaltenen Hand, alle merkten, hier ist man willkommen.Für die Mitarbeiter/innen des BBB war es beeindruckend, mit wie viel Fleiß und Konsequenz die Schülerinnen der Realschule lernen und was sie schon alles wissen. Viele der Bildungsteilnehmer haben in ihrer Schulzeit negativ Erfahrungen gemacht. Einiges habe sie im Unterricht damals einfach nicht verstanden und manches ist ihnen schwer gefallen. Manchmal hat man sie das früher auch spüren lassen, dass sie das nicht konnten.Wo fanden wir Gemeinsamkeiten? Im „Sich-was-erarbeiten“ und auch im Einüben von Schlüsselqualifikationen. Denn egal ob nun in der Schule oder am Arbeitsplatz. Immer wenn man bei der Sache bleibt, auch wenn es einem erstmal nicht so leicht fällt, dann kann man über das erreichte, auch stolz sein.Es war auch wichtig zu hören, dass es unterschiedliche Arten von Intelligenz gibt. Auch „praktische“ und „emotionale“ Intelligenz. Viele Bildungsteilnehmer wissen vielleicht nicht was das ist, aber manch einer hat sie.Viel zu schnell ging der Besuch vorbei. Für die Bildungsteilnehmer war es eine sehr wertvolle Erfahrung und sie freuen sich schon auf das gemeinsame Arbeiten beim Neugestalten der Kräuterschnecke in der Mädchenrealschule in Abenberg.Der Berufsbildunsgbereich des Gartenbaubetriebs in der noris inklusion bedankt sich bei Frau Rösch und den Schülerinnen für die tolle gemeinsame Zeit, beim Hausmeister der MR für die Unterstützung und für die leckere Vesper.