Die Faschingszeit geht zu Ende – die Fastenzeit naht. Für das Lehrerkollegium der Mädchenrealschule Abenberg ist das der Zeitpunkt, sich über die Gestaltung des Aschenkreuzgottesdienstes Gedanken zu machen. Wie aber kann ein solcher gefeiert werden, wenn wie in diesem Jahr Distanzunterrichtgehalten wird und die Schülerinnen nicht in die Schule kommen dürfen? 

Im Jahr 2020 feierte unsere Schulgemeinschaft den Aschenkreuzgottesdienst noch als Präsenzgottesdienst. Es war der 4. März – und der letzte Präsenzgottesdienst an der Mädchenrealschule seither. Eineinhalb Wochen danach kam der Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Und wie feiern wir heuer? Feiern wir überhaupt?

Da an unserer Schule der digitale Distanzunterricht mittlerweile – auch technisch – sehr gut eingespielt ist, entschieden wir uns, den Aschenkreuzgottesdienst in einer großen Video-Konferenz digital mit allen Schülerinnen zu feiern. Und das direkt am Aschermittwoch, zum Auftakt der Fasten- und Passionszeit, der diesmal zur Feier frei war, weil die Faschingsferien entfielen.

So versammelten sich, nach einem digitalen Probelauf am Faschingsdienstag, tatsächlich alle Schülerinnen und Lehrer – bis zu 200 Rechner waren eingeloggt – am Aschermittwochmorgen zum Aschenkreuzgottesdienst online.

Dem Vorbereitungskreis aus den Religionslehrerinnen Carolin Schneider und Julia Bach und den Religionslehrern Helmut Benkert und Pfarrer Tobias Brendel war klar, dass dieser Gottesdienst nur gelingen könnte, wenn er kurzweilig und anschaulich wäre und die Schülerinnen möglichst einbinden und aktivieren würde. Dementsprechend wurde er gestaltet: Die Schülerinnen konnten von zuhause aus ohne Maske und irgendeine Ansteckungsgefahr drei bekannte und ermutigende Lieder mitsingen, sie sollten sich zu Beginn in einem kleinen Wettlauf so schnell als möglich in ihre Faschingskleidung werfen und wieder vor dem Bildschirm erscheinen, sie bastelten miteinander und doch jede für sich vor ihren Geräten sitzend einen Fastenwürfel, der sie durch die Fastenzeit begleiten soll, und schließlich nahmen uns vier Schülerinnen mit ihren selbstformulierten Gebeten in die Fürbitten dieses Gottesdienstes hinein. 

Das direkte, leibliche Auflegen des Aschenkreuzes – mit Asche auf das Haupt einer jeden Schülerin – konnten wir in diesem Jahr freilich nicht durchführen. Einzig Frau Rektorin Doris Hengster empfing es von Pfarrer Brendel so, dass alle Schülerinnen es über ihre Bildschirme verfolgen konnten. Anschließend sprach Pfarrer Brendel es unter Schlagen des Kreuzeszeichens allen Schülerinnen über Video zu.   

Zum Schluss durfte natürlich nicht der traditionelle Aschermittwochswitz mit dem überforderten Mesner fehlen. Der Witz bringt Jahr um Jahr zum Ausdruck: Die Fastenzeit, recht begangen, bringt Freude, Heiterkeit und Leichtigkeit ins Leben, die von Gott stammen, und sie schafft Erneuerung, Frieden und Versöhnung zwischen den Menschen. Wie hätten wir solche Dinge den Schülerinnen in diesem Jahr vorenthalten können?

In den vor uns liegenden sieben Wochen der vorösterlichen Bußzeit, wie die Fastenzeit auch genannt wird, gehen wir nun gemeinsam als Schulgemeinschaft auf diesem Weg. Wir erwarten das Wirken und die Führung Gottes und richten unsere Blicke auf das vor uns liegende Ziel: das Osterfest, die Auferstehung Jesu, den Sieg über Sünde und Tod, die Rettung und Vollendung der von Gott geliebten Menschheit.

                                                                                                          Pfarrer Tobias Brendel